Centratur und Tolkiens „Herr der Ringe“

 

Anmerkungen des Autors

 

Kenner der Fantasy-Literatur haben natürlich sofort bemerkt, dass sich in Centratur Parallelen zum „Herr der Ringe“, dem wohl bekanntesten und beliebtesten Fantasy-Roman aller Zeiten, finden.

 

Diese Anspielungen sind gewollt und ganz offensichtlich in meinen Roman absichtlich eingebaut.

 

Dennoch ist die Handlung von Centratur völlig eigenständig und wiederholt keine einzige Szene aus dem HdR!!!

 

Obgleich ich als Autor von Centratur nie ein neuer Tolkien sein und auch den „Herrn der Ringe“ nicht imitieren wollte, habe ich doch den Versuch unternommen, spielerisch und für Kenner unübersehbar eine Art Fortsetzung des großen Romans von Tolkien zu schreiben.

 

Wer hätte sich nach der x-ten Lektüre des HdR nicht schon einmal eine Fortsetzung gewünscht? Ich habe dies in die Tat umgesetzt. Allerdings ist dabei kein Plagiat entstanden. Alle Figuren, die in dem Roman Centratur vorkommen, haben eigene Charaktere, die sich von denen Tolkiens völlig unterscheiden. Auch die Handlung ist – obgleich eingangs bewußt an HdR erinnernd – absolut eigenständig. Zum Beweis: Selbst der eingefleischteste Tolkien-Kenner könnte nicht vorhersagen, wie sich die Handlung in Centratur entwickelt.

 

Auch ist Centratur vom Sprachduktus und der Personencharakterisierung her zeitgemäßer als Tolkien. Ich verwende viel weniger Mythen- und Märchenelemente. Statt dessen habe ich aktuelle Probleme und Fragestellungen in meine Fantasy-Welt eingewoben. Auch spielen Frauen im Gegensatz zum HdR bei mir eine entscheidende Rolle.

 

Für alle Leser, die die Anspielungen an Tolkien nicht so deutlich gesehen haben hier eine kurze Entschlüsselung:

 

Die Geschichte beginnt mit Mog, dem Pendant zum alten Sam Gamschied. Seine Kinder und die Kinder von Marrham (Merry) und Pet von Hagen (Pipin) sind wichtige Handlungsträger. Aber das war es dann auch schon! Die anderen Personen stehen in keinerlei Verbindungen zum HdR.

Dann taucht noch der Zauberer Aramar auf, bei dem die Anspielungen auf Gandalf unübersehbar sind. Doch auch hier ist die Ähnlichkeit nur oberflächlich. Während Gandalf die Kraft des Zauberns nach Belieben einsetzt, vermeidet dies Aramar, wo immer er nur kann. Auch ist Aramar, im Gegensatz zu Gandalf, recht menschlich. Er läßt sich von Frauen verführen und zeigt die eine oder andere Schwäche. Aramar ist eben keine mystische Gestalt mit übermenschlichen Zügen.

 

Auch ist Centratur nicht wie der „Herr der Ringe“ eine Parabel für den Kampf des Guten mit dem Bösen in der Welt. Das absolut Gute, eine Schwarz-Weiß-Zeichnung, gibt es in Centratur nicht. Die Grautöne, das Menschlich allzu Menschliche, überwiegen.

 

Und doch finden sich in Centratur, trotz der fundamentalen Unterschiede, immer wieder Hinweise auf das Tolkien-Werk. So spielt zwar ein „Blaues Buch“ die entscheidende Rolle, aber Mog schreibt seine Erlebnisse in ein „Rotes Buch“. Die Anspielung auf die von Bilbo begonnene und von Frodo und später Sam fortgesetzte Chronik des Ringkrieges ist offensichtlich.

 

Der Kenner sollte nämlich mit Centratur einen eigenständigen Roman lesen, aber dennoch den Spaß haben, das eine oder andere Element von Tolkien zu entdecken und sich dabei zu denken: „So hätte es weitergehen können!“

 

In mancher Kritik hieß es, ich hätte beim „Herrn der Ringe“ abgeschrieben und mir damit das Schreiben einfach gemacht.

Dem kann ich nur entgegen halten – und jeder, der selbst Romane schreibt, kann dies bestätigen -: Die Anspielungen auf den „Herrn der Ringe“ in den Roman Centratur einzufügen, war erheblich schwierig gewesen, als es zu unterlassen. Mit einem Fantasy-Roman, der auf Tolkien keinen Bezug nimmt, hätte ich es viel einfacher gehabt.

 

Doch wer meine beiden Bände gelesen hat, wird bestätigen, dass es sich bei den Anspielungen auf den „Herrn der Ringe“ nur um marginales Phänomen handelt. Im Grunde hat Centratur mit dem HdR recht wenig gemein. So ist eben in der Handlung der eigentliche Feind kein mystischer Sauron, sondern ein ganzes Volk, nämlich die Vespucci, die alles Natürliche hassen. Ihr Handlanger wiederum ist der „Zauberkönig“, ein äußerst irdischer Herrscher, der zwar über Zauberkraft verfügt, aber bei weitem nicht über die Dämonie eines Sauron. Wichtige Handlungsträger sind keine Tolkien-Gestalten, sondern Galowyn, eine Sängerin, Smyrna, ihre Dienerin, und Fallsta, ein Goldgräber. Und auch zu Axylia, einer heilkundige Frau, Urial, einem junger Heißsporn aus einem Kloster in Nowogoro, oder Horsa, einem arroganter Markgrafensohn, gibt es in dem englischen Bestseller keine Parallelen.

 

Ich muss jedoch gestehen, dass mich die Wutausbrüche überrascht haben, die ich hin und wieder von Tolkien-Fans gelesen habe. Es ist scheinbar für viele ein Sakrileg, ja eine Heiligenschändung, wenn man es wagt, an den HdR anzuknüpfen. Tolkien hat wirklich ein gutes Buch geschrieben, das ich sehr liebe und sehr, sehr oft gelesen habe. Aber es ist doch kein „heiliger“ Text, den man nicht ein wenig weiterfabulieren darf.