Satire

Vorbemerkung: Im Saarland heißt die Fleischwurst Lyoner und ist dort so etwas wie ein Nationalgericht. In einem Sammelband, genannt das Lyonerbuch, sollten von mir die psychologischen Seiten der Fleischwurst beleuchtet werden. Der folgende Bericht für eine Akademie (Kafka lässt grüßen) ist das Ergebnis.

 

Die Lyoner als solche schlechthin

(Ein Bericht für eine Akademie)

 

Eure Magnifizenz, Spektabilitäten, hohe Damen und Herren von der Akademie!

Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über meine Lyonererfahrungen einzureichen. Dazu muss ich etwas ausholen und leider Ihre Geduld auf eine, wenn auch, wie ich hoffe, erträgliche Probe stellen,

Der Genuss von Fleisch ist ein animalischer Akt. Er führt phylogenetisch beinahe bis zur Entstehung des Lebens zurück, kennzeichnet aber ontogenetisch eine relativ späte Stufe der Entwicklung.

Vor Millionen Jahren herrschte nur nackte Barbarei auf der Erde. Eine Amöbe fraß die andere mit Haut und Haaren. (Diese Aussage ist unter biologischen Gesichtspunkten natürlich nur sentenzenhaft zu verstehen.) Aber wie auch immer, schon der Gedanke daran ist unappetitlich. Relikte dieser abscheulichen Sitte finden sich in der menschlichen Gesellschaft noch bei der Spezies der Gourmets. Jene Menschen, die Schnecken, Muscheln, ja sogar kleine Fische, wie zum Beispiel Sardinen, ohne anatomische Differenzierung und der Ausscheidung der Gedärme und was sich sonst noch alles Ekelerregendes in einem Lebewesen befindet, verzehren.

Selbst die Natur missbilligt derartige unästhetische Fressgewohnheiten. Deshalb entwickelte sie bei den höher stehenden Lebewesen ein gesitteteres Vorgehen, nämlich die Teilung der Beute und deren partiellen Verzehr. Der Löwe frisst das geschlagene Tier nicht mehr im Ganzen, sondern reißt einzelne Fleischbrocken heraus. Er trifft dadurch eine Auswahl und erhöht selbstverständlich den Genuss. Nicht das blindwütige Verschlingen, die totale Einverleibung des anderen Lebens dominiert, sondern die dezente, taktvolle Ernährung. (Eine Ausnahme von dieser Höherentwicklung findet sich lediglich bei der Schlange, die deshalb auch zwangsläufig in einem recht schlechten Ansehen steht.)

Meine Damen und Herren, wieder einmal stehen wir staunend vor einer höchst sinnreichen Entwicklung der Natur, die so ganz unserem eigenen hoch stehenden Denken und Fühlen entspricht. Doch lassen Sie mich fortfahren.

Die Zubereitung der Mahlzeit durch Kochen, Braten, Würzen ist von allen Lebewesen allein dem homo sapiens vorbehalten. Er sucht sich die schmackhaftesten Stücke aus seinen Jagd- oder Haustieren aus, und unterzieht sie einer Sonderbehandlung Dies ist nicht nur augenfälliges Zeichen für die Beherrschung und Sublimierung seines tierischen Erbes, dem Fresstrieb, sondern drückt gleichzeitig seine Reverenz vor dem ihm zur Nahrung dienenden Geschöpf aus.

Die Umwandlung des Fleisches, eine Transmutatio, lässt den Menschen dessen tierische Herkunft, das Blut und den Schmerz, vergessen. Beim Verzehr eines Kalbsschnitzels denkt wohl niemand mehr an die traurigen Augen des jungen Rindes, sondern man lobt den Koch, der diesen göttlichen Bissen cum grano salis erschaffen hat.

Oh, bedenken Sie, welch' große kulturelle Entwicklung von der Barbarei der Amöbe bis zum Nierenrollbraten nötig war. Doch mit dem Drehen des Bratspießes gab sich der menschliche Geist nicht zufrieden. Er strebt stets nach Totalität, ruht nicht, bevor nicht das Vollkommene erreicht ist. Deshalb machte sich der homo sapiens daran, die fleischliche Nahrung auch äußerlich umzuformen.

Kurz: Auf den Schinken folgte die Wurst.

Gemessen an evolutionären Zeitaltern ist diese Entwicklung sehr jung. Aber sie ist ein überaus augenfälliges Beispiel für die überlegene Beherrschung der Natur. Die Anweisung, "Macht euch die Erde untertan", wurde mit der Wurst ernst genommen und akribisch befolgt. Der Mensch formte das ihm vorgegebene Leben nach seinem Willen. Die Wurst ist deshalb ein zivilisatorischer Akt.

Der Inbegriff der Wurst aber ist die Lyoner. Sie ist gleichsam die Wurst an sich. In der Lyoner transzendiert sich die Wurst. Man kann deshalb zu dem legitimen Schluss kommen: Die Existenz der Lyoner ist der augenfällige Ausdruck für die kulturelle Entwicklung des Menschen.

Natürlich gebietet die wissenschaftliche Redlichkeit, dass ich vor Ihnen, erlauchte Damen und Herren, die Sie sich alle auf Ihren Forschungsgebieten als Koryphäen ausgezeichnet haben, den Wahrheitsbeweis für diese These antrete. Dazu muss ich meinen Streifzug durch die Evolution verlassen, und mich der Basis allen Lebens, der Materie selbst, zuwenden.

Während die Griechen das Chaos als das absolute Nichts interpretierten, das aus sich selbst Gaia, die Erde, gebar, sahen die Römer im Chaos das Ungeordnete. Alle Elemente sind bereits vorhanden, aber noch nicht zu Strukturen und Funktionseinheiten vereinigt. Dies geschieht erst im Schöpfungsakt. Besser als durch dieses mythologische Bild ist wohl die "Ursuppe, die von den Biologen als Ausgangsbasis für das Leben auf der Erde angenommen wird, nicht zu kennzeichnen.

Wer je eine Fleischwurst-Fabrik besichtigen durfte, der weiß, dass diese Beschreibung auch auf den Urzustand der Lyoner zutrifft. Der Sud aus geschleudertem Knochenbrei, aus Fett, Sehnen und Fleischmatsch, der sich schließlich in zarten, fleischfarbenen Därmen zu der von uns allen geschätzten Wurst materialisiert, ist der Inbegriff des lateinischen Chaos. In dem von mir entwickelten Sinn steht er aber nicht mehr allein für Materie und Leben, sondern reicht weit darüber hinaus. Aus dieser fleischwurstlichen Ursuppe entstehen nämlich nach einer faszinierenden Metamorphose Kommunikation und damit menschliche Gesellschaft. Diese wiederum ist Grundlage für den Geist, ja für den Sinn überhaupt,

Ja, wer auch nur einmal in seinem Leben bei einem Vereinsfest mit Bier und Lyoner dabei war, der weiß, wovon ich spreche. Bei diesem gemeinsamen Mahl wird die Wurst in der Hand gehalten, mit Senf verfeinert und schließlich ohne zivilisatorische Hilfsmittel wie Messer und Gabel zum Mund geführt. Dieser Akt hat nicht nur etwas die ganze Menschheitsgeschichte umschließendes Ursprüngliches an sich, sondern auch etwas ungemein menschlich Verbindendes. Das gemeinsame Bemühen, von der im Durchmesser für den Munde zu großen Wurst ein Stück abzubeißen, ohne das künstliche Fell, die Kleidung zu beschmutzen, schafft Nähe, mindert die Distanz, die die heutige komplexe Gesellschaft zwischen ihren Mitgliedern aufgebaut hat. Das vertrauenerweckende, beinahe auf Symbiose zielende "Du" geht leichter von den Lippen, ein echter, unverstellter Gedankenaustausch wird in den Gesprächen nicht nur möglich, sondern geradezu initiiert. Schließlich vereinigen sich dann alle Individuen zu einem großen, übergreifenden Ganzen. Sie haken in einer Art dialektischem Prozess ihre Arme ineinander, bewegen die Oberkörper in gemeinsamem Rhythmus und vereinigen ihre Stimmen zu einem gewaltigen Unisono, das die Gefühle der Beteiligten im Gleichklang bis in die Grundfesten erbeben lässt. Landschaften, Getränke und Flüsse werden besungen und der Wunsch beschworen, dass solch' ein Tag, der diese Unio-mystica stattfinden ließ, nie vergehen möge.

Kolleginnen und Kollegen, wir sehen in diesem Beispiel, welche katalysatorische Wirkung die Lyoner hat. Aus der Verbindung von Archaischem und höchst Artifiziellem entsteht das Utopische. Hier wird der Übermensch sichtbar, der nicht mehr singulär vor sich hin lebt, sondern sich mit Seinesgleichen zu einem höheren Wesen vereinigt. Hier endlich wird mit Hilfe der Lyoner der Gedanke Wirklichkeit, den John Donne so trefflich und bewegend in seinem Sonett ausgedrückt hat:

No man is an Iland intire of it selfe;

every man is a piece of the Continent,

a part of the maine.

Im Vorherigen wurde gesagt, dass die Lyoner ein artifizielles Produkt ist, das eine sehr späte Stufe der Menschheitsentwicklung kennzeichnet. Dies ist unstreitig schon allein wegen der Tatsache, daß nicht einmal die Art des Tieres, das zu ihrer Erzeugung herangezogen wird, noch erkennbar ist.

Wir alle wissen jedoch, dass das kluge Schwein für die Lyoner in die Pflicht genommen wird. Sein Metabolismus ist dem unseren nicht nur so ähnlich, dass das Schwein in der medizinischen Forschung einen bedeutenden Platz beanspruchen darf, darüber hinaus wirken die Heilmittel, die man ihm vor der Vollendung seines Lebens gibt, über die Vermittlungsinstanzen Kotelette, Eisbein und natürlich Lyoner infektionsabwehrend, beruhigend und damit segensreich auf den Menschen.

Die Fleischwurst schafft also nicht nur enge, ins Metaphysische gehende Beziehungen zwischen den Menschen, sondern ist auch sinnfälliger Ausdruck für die Symbiose zwischen Mensch und Haustier. Und doch verletzt ihr Genuss nicht das tiefe Gefühl der Liebe, das wir für Bruder Tier empfinden, und dem Franz von Assisi zu wortreich Ausdruck verliehen hat. Wir wissen zwar, dass wir Schwein essen, aber die konkrete Vorstellung von der Sau ist gleichzeitig weit von uns entfernt.

Lassen Sie mich damit zum Ende des ersten Teils meiner Ausführungen kommen. Meine ursprüngliche These ist hinreichend belegt, und ich will diesen philosophischen Bereich verlassen, um noch einen kurzen psychoanalytischen Exkurs anzuschließen.

Nicht nur C.G. Jung weist auf die Bedeutung von Mythos und Symbol im Leben des Menschen hin. Auch Freud sah in Symbolen, speziell aus dem Bereich der Sexualsphäre, die Vergegenständlichung einzelner Triebkomponenten.

Wenn ich diese Aspekte und archetypischen Konstellationen im folgenden untersuche, muss ich Sie, hoch verehrte Damen, und auch Sie, natürlich nicht minder verehrte Herren, um ihre Toleranz, Nachsicht und wissenschaftliche Distanz bitten. Selbstverständlich werde ich mich auf diesem heiklen Gebiet mit Andeutungen begnügen und Ihr Schamgefühl nur soweit strapazieren, als es für meine wissenschaftlichen Darlegungen unabdingbar ist. Dabei hoffe ich auf Ihr Vorstellungsvermögen, das mir nähere Ausführungen ersparen soll.

Die äußere Form der Lyoner ist nicht langweilig gerade, sondern zu einem Oval gebogen, Die Lyoner schließt sich damit andeutungsweise zu dem Vollkommensten, was wir denken können, dem Kreis. Gerade der zum Oval gestreckte Kreis ist tiefenpsychologisch gesehen ein Symbol für die Vulva.

Durch einen raschen Schnitt mit dem scharfen Messer wird diese geschlossene Form jedoch zerstört, wandelt sich der Fleischwurstring in Wurststücke, entwickelt sich aus dem Symbol des Weiblichen das Männliche, der Penis. (Diese Assoziationen verstärken sich, wenn beim Erhitzen der Lyoner-Stücke der Wurstinhalt an den Enden über die Haut hinaus quillt.)

Wie bei allem Lebendigen begegnen wir bei der Lyoner demnach zuerst dem Femininum, das aus sich selbst das Maskulinum entstehen lässt. Diese Grundtatsache ist nicht nur ein Wunschdenken der feministischen Bewegung, sondern biologisch nachgewiesen. (Es ist schmerzlich, dies darf ich hier in Parenthese anmerken, dass die Genesis, diese sonst bis ins Detail zutreffende Allegorie, in diesem Punkt leider irrt.)

Doch ohne auf den Prioritätenstreit von Henne und Ei näher einzugehen, die Fleischwurst enthält eine männliche und eine weibliche Komponente. Sie vereinen sich hier auffallend zu einem Ganzen. Wir finden diese Konstellation auch genetisch beim Mann mit all den positiven und negativen Auswirkungen, die sich daraus ergeben.

Tiefenpsychologisch bedeutet dies neue Einsichten in die Triebstruktur des Menschen. Seine unbewußten Wünsche und Regungen werden beim Umgang mit dem Lyoner nicht nur angesprochen, sondern auch freigesetzt. Sie lässt die tiefsten und geheimsten Saiten im Menschen erklingen. Ein bedeutender Teil ihrer Beliebtheit ist darauf zurückzuführen. Doch muß ich wahrscheinlich konkreter werden, wenngleich auch jetzt Andeutungen genügen mögen.

Der Genuss der Lyoner löst im Unterbewußtsein, "Ubw", wie es Freud in seinen späteren Schriften abkürzt, Assoziationen aus wie Fellatio aber auch Kastration. Ein scheinbarer Antagonismus, der seine Erklärung im Penisneid der Frau findet.

Dieser Penisneid ist inzwischen von der psychoanalytischen Schule so oft behauptet worden, daß wir ihn als gegebene Tatsache hinnehmen können.

Andererseits wiederum bedeutet die Wandlung des Lyoner-Ringes in Wurststücke, dieser Schnitt, der das Feminine in ein Maskulines wandelt, eine Verstümmlung des Weiblichen, ja sogar seine Auflösung. Er ist ebenso ein hoch aggressiver Akt.

In Kastration übergehende Fellatio beim Beißen und Essen hier, Nihilation des Wesens, Deformation beim Schneiden des Ringes dort. Im Fleischwurstessen kommen die Schatten des homo sapiens, wie sie C.G. Jung definiert, zum Ausdruck. Seine latente Aggression und damit natürlich auch deren Januskopf, der Masochismus, nehmen Gestalt an, brechen sich mit Gewalt Bahn durch die Fesseln von Erziehung und Zivilisation.

Schon Aristoteles führt in seiner Poetik aus, dass das intensive geistige Erlebnis zur Katharsis führt, zur Abreaktion also und damit zur inneren Reinigung des Menschen. Dies wirft die Frage auf, Kolleginnen und Kollegen, was geht in uns allen vor, wenn wir Lyoner essen? Welche tiefen Schichten unseres Wesens brechen hier auf? Was aus unserem Unterbewussten wird mit jedem Bissen Fleischwurst verarbeitet?

Auch Sigmund Freud leugnet nicht die niederen Instinkte des Menschen. Gerade er hat dafür gekämpft, dass sie zugelassen und damit kontrolliert werden. Erst wenn wir zu ihnen stehen, wird Thanatos, der Todestrieb, entmachtet. Triebe, die im Menschen ständig verleugnet und verdrängt werden, brechen plötzlich und unkontrollierbar mit ungeheuerer Gewalt hervor. Kriege, Mord und Totschlag, Vergewaltigungen sind dafür sinnfällige Zeichen.

Nicht die Unterdrückung und Leugnung negativer Gefühle ist demnach die Aufgabe, die es zu leisten gilt, sondern deren Sublimierung. So ist die Kompensation von Aggression eine der vorzüglichsten Aufgaben der Kultur. Da, wo dies nicht gelingt, kann nicht von Kultur gesprochen werden.

Wie wir gesehen haben, findet beim Verzehr der Lyoner eine Aggressionsabfuhr statt. Das tiefe Auskosten des Schneidens und Beißens führt zur Katharsis und baut dadurch aggressive Triebe ab. So bestätigt sich wiederum meine eingangs vorgetragene These, dass die Fleischwurst einen wichtigen Platz in der Endstufe der kulturellen Entwicklung der Menschheit einnimmt, ja die Kultur eo ipso repräsentiert.

Die Sublimierung der Triebsphäre ist nach Freud die Aufgabe der Kultur. Die Menschheit hat sich bisher aber als unfähig erwiesen, im großen und ganzen mit der Aggression ihrer Individuen ja, ihrer Völker umzugehen. Kriege werden noch immer als unvermeidlich angesehen. Feindbilder gepflegt, Überrüstung als Friedensdienst gefeiert. Das Lyoner-Essen ist da zumindest der Weg zu einem kleinen bisschen Frieden.

Lassen Sie mich nun, hoch verehrtes Auditorium, zum Ende kommen. Gar vieles bliebe noch zu berichten. Ich konnte in dem mir vorgegebenen begrenzten Rahmen nur einzelne Schlaglichter auf die Gesamtthematik werfen. Doch je mehr man sich mit der Lyoner auseinandersetzt, desto umfangreicher und unergründlicher präsentiert sie sich. Mit etwas kreativem Problembewusstsein lassen sich aus der Lyoner noch für Jahre Dissertations- wenn nicht gar Habilitationsthemen gewinnen.

Denken Sie, liebe Kollegen, allein an die politischen Aspekte, die es noch auszuloten gilt. Die Lyoner ist schließlich eine demokratische Wurst, so wie die Kartoffel eine demokratische Frucht ist. Ihr Verzehr hat sich erst lange nach der französischen Revolution durchgesetzt. In der Rezeptionsgeschichte der Fleischwurst lässt sich nachweisen, dass sie nie das alleinige Privileg einer Gesellschaftsschicht war. Stets haben sich die unterdrückte arbeitende Klasse, aber auch die herrschenden Schichten an ihr gütlich getan. Wo sonst ist die Forderung nach égalité und fraternité so verwirklicht wie bei der Lyoner? Jeder hat in diesem unserem Staat das Recht, an allen Orten und zu jeder Zeit Lyoner zu essen, wenn er sie bezahlen kann.

Aber die Wirkung der Fleischwurst reicht bis in die Keimzelle unseres Staates, die Familie, hinein. Ihr Anwärmen im Wasserbad erfordert zwar Aufmerksamkeit und nicht zu unterschätzende Fähigkeiten, aber es kann auch vom Mann, dem pater familia, wie es seit den Römern bekannt ist, übernommen werden. Damit wiederum ist eine Entlastung im Alltag der geplagten Hausfrau möglich. Sie kann sich nun stärker ihrer Emanzipation widmen.

Doch trotz dieser Fakten kann keine gesellschaftliche Gruppe, auch nicht die Feministinnen die Lyoner für sich okkupieren. Die Fleischwurst bleibt neutral! Sie liefert auch der Gegenseite Argumente. So kann der Chauvi unter den Männern sie heiß machen, und sich dann seiner Kochkünste brüsten.

Last but not least sei noch an die Jugend erinnert, die nicht vergessen werden darf und immer an erster Stelle kommen muss. Sie, die inzwischen so gründlich an amerikanische Fastfood gewöhnt wurde, findet in der Lyoner eine echte deutsche Alternative. Es wäre zu wünschen, dass sich daraus bei ihr eine stärkere Autarkie gegenüber dem american way of life und der Hamburger-Kultur unserer Freunde aus dem Westen entwickelte.

Mit diesen Ausblicken auf künftige Forschungsaufgaben will ich nun schließen. Sie haben mir sehr lange Ihre Aufmerksamkeit für eine schwierige Thematik geschenkt. Dafür danke ich Ihnen. Ziel meines Vortrags war es, Ihnen paradigmatisch aufzuzeigen, wie die Wissenschaft interdisziplinär an einem Sujet Problembewusstsein entwickelt und dabei neue Relevanzen entdeckt und ausschöpft. Letztlich wird auf diesem Weg die Freiheit von Wissenschaft und Forschung und deren hohe staatliche Subvention gerechtfertigt. Unser aller Präferenz für die Lyoner war dafür zwar eine angenehme Basis. Der Primat der Wissenschaft muss aber letztlich den Vorrang haben.

 Horst Neisser

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