Der Tiger saß auf einer breiten Astgabel und sah verächtlich auf Zdie Leute herab, die am Fuß des Baumes standen. Er war riesig. In sein Maul hätte mit Leichtigkeit ein Eritkopf gepaßt und seine Zähne waren so lang wie der Mittelfinger eines großen Mannes. Die Augen funkelten grün, als er sich langsam erhob und die mächtigen Muskelpakete unter dem seidigen Fell anschwollen. Nun fuhren auch die Krallen an den Pranken heraus. Ganz leicht knickte er in den Gelenken ein, doch er sprang nicht. Kein Fauchen kam aus seiner Kehle und auch kein Schrei. Er hatte Qumara, die Hohepriesterin des Landes, entdeckt, und ihr war er, wie alles Leben in Rutan, untertan.
Akandra beobachtete Qumara. Die Zauberin hatte sich seit der Landung am Strand von Rutan verändert. Das Mädchen spürte zwar die Wandlung, konnte aber nicht sagen, worin sie bestand. Sie wurde von ihren Überlegungen abgelenkt, denn Qumara sagte gerade: »In Rutan können Fremde nicht überleben. Ihr müßt Rutaner werden, damit die Natur euch als Einheimische akzeptiert.«
Diese Aussicht gefiel den Erits. Sie nickten begeistert und fragten, wie dies vor sich gehe.
»Indem wir zuerst alle Kleider ablegen. In meiner Heimat ist alles Künstliche verhagt. Man muß sich davon trennen. Was gibt es überflüssigeres als Kleidung in einem warmen Land wie Rutan?« Die Vorstellung, nackt durch die Gegend zu laufen, ließ sowohl Akandra als auch Marc schaudern. Sie protestierten, und der junge wurde rot im Gesicht. Doch Qumara ließ sich nicht erweichen und ging mit gutem Beispiel voran. Langsam legte sie die unförmigen Kleider ab, die sie in Centratur so lange getragen hatte.
Nachdem sie auch die letzten Hüllen abgestreift hatte, fiel ihr langes dunkles Haar über braune Schultern bis zur Brust. Ihr Körper war schlank und sehnig und die Brüste straff und rund. Sie wippten leicht, wenn sie schritt. Völlig ungeniert bewegte sich die Frau und zeigte ohne Scheu die geheimsten Seiten ihres Leibes.
Fasziniert starrten sie die beiden Erits an und konnten den Blick nicht von ihr wenden. Qumara war wunderschön. Obwohl sie die Zauberin nun schon so lange kannten und mit ihr durch dick und dünn gegangen waren, hatten sie nie über ihr Aussehen nachgedacht. Vor ihnen stand keine alte Frau, wie sie erwartet hatten. Die Hohepriesterin war trotz ihres hohen Alters begehrenswert und von jugendlichem Aussehen. Ihr Geist war gereift, aber ihr Körper nicht gewelkt.
Qumara sah das Erstaunen ihrer Begleiter und schmunzelte: »In Rutan kann man die Wahrheit über sich selbst vor den anderen nicht verbergen. Körper und Geist sind für alle offen. Wir Rutaner wollen einander nichts vormachen. Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, ist dies sehr befreiend.«
Die Erits waren allerdings noch lange nicht zur Nacktheit bereit. Und nur weil Qumara darauf bestand, schlüpften zuerst Akandra und dann Marc zögernd aus ihren Kleidern, behielten aber die Unterwäsche an. Die Kinder hingegen hatten an dem neuen Spiel großen Spaß. Bald tollten sie nackt herum und ließen voller Obermut ihre Kleider in Flammen aufgehen. Dabei stellte sich heraus, daß Bim ein Mädchen war.
Hatte Qumara bis dahin den Kindern wohlwollend zugesehen, so ermahnte sie sie jetzt, daß in Rutan Flammen verboten seien, weil sie das Lebende vernichten. Lediglich den Blitzen könnte man keinen Einhalt gebieten. Die Rutaner kochten ihre Nahrung nicht und wärmten sie auch nicht auf Flammen auf. Feuer sei in diesem Land geradezu ein Symbol für das Böse.
Dann wandte sie sich den Erits zu und hieß sie barsch, auch die Unterkleider abzustreiten. Diese Stimme duldete keinen Widerspruch, deshalb kamen der junge und das Mädchen widerwillig dem Befehl nach. Besonders Marc genierte sich noch immer und wandte sich schamhaft ab.
Akandra hatte an ihren Oberschenkel ein Messer gebunden. Als es Qumara sah, lachte sie und sagte: »Das ist also die Waffe, mit der du so schnell bei der Hand bist. Du wirst in Rutan auf sie verzichten müssen.«
Das Mädchen protestierte. Doch auch in dieser Frage blieb die Führerin unnachgiebig. Das Messer sei künstlich und stelle eine Bedrohung für die Natur dar, sagte sie. Wolle man von der Natur beschützt werden, so müsse man sich an sie ausliefern und zu ihr Vertrauen haben.
Als sie sich schon auf den Weg machen wollten, hielt sie die Zauberin noch einmal zurück: »Bis jetzt habt ihr euch nur den Gepflogenheiten dieses Landes angepaßt. Aber ihr seid noch nicht Teil von ihm geworden. Deshalb seid ihr auch noch nicht geschätzt und anerkannt. Aber ihr habt Glück. Als Hohepriesterin habe ich das Recht und die Macht, eure Aufnahme zu vollziehen.«
Verständnislos beobachteten alle, wie Qumara aus trockenen Zweigen einen Kreis auf dem Boden auslegte. Später mußten sie dort hineintreten. Dann trat die Zauberin zurück, breitete die Arme aus und rief Worte in einer Sprache, die sie nicht verstanden. Nach einer Weile vermeinten sie, gleichsam wie ein Echo ein verstärktes Rauschen in den Wipfeln der hohen Bäume zu hören, und eine Bewegung der Blätter in den Sträuchern wahrzunehmen, so als ob ein Windstoß über sie gefahren sei. Dann schritt Qumara in den Kreis. Sie hatte einen langen Dorn in der Hand, ergriff Marcs Arm und stieg zu. Sie mußte dabei wohl eine Ader getroffen haben, denn er blutete stark. Während der junge aufschrie und noch erschreckt auf seinen Arm starrte, wiederholte sie die Prozedur bei Akandra und den Kindern. Der Boden unter ihren Füßen färbte Sich rot. Schließlich verließ die Zauberin wieder den Kreis und wiederholte die Beschwörung in der fremden Sprache. Als nun der Wald wieder antwortete, klangen seine Geräusche freundlich und vertraut.
Als die Erits endlich den Kreis verlassen durften, erklärte ihnen Qumara, sie sei als Hohepriesterin in Rutan neben dem König das mächtigste Geschöpf im Land. Sie habe ein Recht, das nicht einmal dem König zustand, nämlich zu binden und zu lösen. Nur sie dürfe Fremde in die Gemeinschaft der Rutaner aufnehmen oder aus ihr verbannen.
»Ihr seid nun mit eurem Blut diesem Land verbunden. Rutan wird für euch eintreten und erwartet das gleiche von euch.«
Akandra und Marc gewöhnten sich noch lange nicht an ihre Nacktheit. Sie verdeckten den ganzen Tag ihre Blöße, so gut es ging, und zeigten sich den anderen Gefährten möglichst nicht von vorn. Auch scheuten sie sich, mit bloßen Fügen durch den Wald zu laufen. Oberall wuchsen schließlich Dornenranken, und Tiere und sogar Schlangen huschten durch das Unterholz.
Irgendwann hatten die Erits dann doch ihre Schamhaftigkeit abgelegt, und bei der nächsten Rast auf einer Lichtung sagte Akandra lächelnd zu Marc: »Auf der Treppe zu den Älteren habe ich dir versprochen, für dich nackt im Sonnenlicht zu tanzen. Dieses Versprechen will ich nun einlösen.«
Sie erhob sich im blendenden Licht des Tages und wirbelte herum, daß ihre Haare flogen. Marc starrte seine Freundin fasziniert an. Sie war wunderschön, und er liebte sie.
Die Kinder beobachteten ihn und kicherten, und auch Qumara lachte. Der junge aber merkte es nicht, denn er konnte den Blick nicht von Akandra wenden. Der Flaum zwischen ihren Beinen, dieses Gesicht mit den strahlenden Augen und die kleinen Brüste waren das Schönste, was er je gesehen hatte.
Als sie wieder aufbrachen, fragte das Mädchen: »Wohin gehen wir eigentlich?«
»Und warum benutzen wir keine Wege?«
Manchmal glaubten die Erits, Pfade zwischen den Bäumen zu erkennen. Aber Qurnara widersprach heftig und erklärte die vermeintlichen Wege als Sinnestäuschungen. Rutaner würden nämlich sehr darauf achten, daß nicht einmal ungewollt Pfade entstünden. Deshalb benutzten sie niemals die gleiche Strecke durch den Wald.
Ein andermal sagte Akandra: »Qumara, du hast uns gelehrt, auf das Wesen der Bäume und ihre Persönlichkeit zu achten. Ich kann die Bäume jetzt tatsächlich spüren. Soviel Harmonie und Frieden ist mir bisher noch nicht begegnet. Warum kann nicht die ganze Welt wie Rutan sein?«
Darauf antwortete Marc ein wenig spöttisch: »Wenn du die Natur so liebst und ganz im Einklang mit ihr leben willst, mußt du aber deine Ansprüche ändern. Denke nur, wie begeistert du von dem schönen Geschirr und all der Pracht in Ormors Palast gewesen bist! Das Leben in Rutan muß deiner Vorstellung von Adel und Lebensart doch widersprechen. Wenn du hier leben würdest, müßtest du auf all das verzichten.«
"Meine adlige Gesinnung bleibt mir bis ans Lebensende. Alles andere aber will ich gern für die Eintracht in Rutan eintauschen.«
Bald erreichten sie erneut eine Lichtung. Dort graste eine Herde Gnumus. Es waren Geschöpfe, die Rehen sehr ähnlich sahen. Marc entdeckte die Tiere als erster und flüsterte: »Still, damit wir sie nicht verscheuchen. «
Doch Qumara lachte und rief laut in ihrer eigenen Sprache. Ein Tier löste sich aus der Herde und sprang ohne Scheu zu ihnen. Es war so zutraulich, daß es sich sogar streicheln ließ. Sein Fell war weich und warm, die schwarzen Nüstern feucht und kühl. Es stupste Marc ins Gesicht, der ein wenig erschrocken zurückwich.
Während sie noch mit dem Tier schmusten, gab die Herde plötzlich das friedliche Grasen auf und rannte in wilder Flucht davon. Auch das zutrauliche Gnumu wollte fliehen, aber für das arme Tier war es zu spät. Zwischen den Bäumen tauchte eine große Katze auf, wie sie die Erits noch nie gesehen hatten. Mit mächtigen Sprüngen holte das Raubtier das fliehende Gnumu ein, sprang ihm auf den Rücken und riß es zu Boden. Die Beine des sanften Wesens zappelten hilflos in der Luft, während der Räuber seine Reißzähne in seinen Hals schlug. Blut spritzte, und die Bewegungen des Gnumu wurden matt. Dann war das Tier tot. Die Katze riß den Leichnam auf und begann zu fressen. Von den Zuschauern ließ sie sich dabei nicht stören.
Die Kinder hatten dem Vorfall interessiert zugesehen, verloren nun aber das Interesse und widmeten sich neuen Spielen. Marc hingegen war entsetzt und verzweifelt. Die ganze Zeit hatte er die Zauberin angefleht, sie möge doch eingreifen. Doch Qumara hatte gelangweilt dem Vorfall zugesehen und griff nun, als wäre nichts geschehen, nach dem Gepäck, um den Marsch fortzusetzen.
Marc war empört, doch die Hohepriesterin antwortete ungeduldig, sie hätte weder eingreifen dürfen noch wollen. Die Gesetze Rutans befahlen, daß die Natur unberührt bleiben müsse. Dies bedeutete auch, die Beutetiere nicht vor ihren Feinden zu schützen. »Was hätte es schon gebracht, wenn das Gnumu von mir gerettet worden wäre?« fragte sie schließlich. »Der Lern, so heißt übrigens der Jäger, wäre hungrig geblieben und hätte sich ein anderes Beutetier gesucht. In der Natur gilt eben das Gesetz, fressen und gefressen werden. Dem können auch wir Rutaner uns nicht entgegenstellen. Wenn wir die Gnumus gegen die Lerus schätzten, würden wir die Natur verändern und auf sie einen Einfluß nehmen, dessen Folgen wir nicht abschätzen können. Ich frage mich, ob wir Oberhaupt das Recht haben zu bestimmen, ob ein Raubtier verhungern muß und das Gnumu überleben darf? Welches Tier ist wertvoller? Wer entscheidet über Leben und Tod? Es ist ein Akt der geistigen Reife, die Natur in ihrer Größe und Grausamkeit zu akzeptieren.«
Akandra stimmte der Zauberin zögernd zu, aber Marc war noch lange nicht überzeugt. Er rief voller Zorn, die Rutaner lebten gar nicht im Einklang mit der Natur. Sie hätten sich vielmehr die Natur untertan gemacht. Nun kusche sie vor ihnen und erkenne sie als Meister an. Ihm sei nun aber klargeworden, daß auch die Rutaner die Welt zu ihrem Nutzen und für ihre Interessen veränderten. Mit dem Gerede von der Unberührtheit der Natur versuchten sie sich nur vor ihrer Verantwortung zu drücken. »Doch«, so endete er, »es ist unsere Aufgabe, die Welt zu verändern, sie ein wenig friedlicher und freundlicher zu machen und zwar für alle Lebewesen, nicht nur für uns selbst. Die oberste Tugend, die denkende Wesen entwickeln sollten, ist das Mitleid. Auch wenn das Raubtier anschließend ein anderes Tier schlägt, hätten wir dem Gnumu helfen müssen.«
Statt Qumara antwortete ihm Akandra: »Du langweilst uns schon wieder mit deinem Gewäsch. Auf unserer langen Reise hast du nichts gelernt. Den gleichen Unsinn hast du vor langer Zeit schon einmal ROM erzählt. Du bist eben nicht reif, tapfer und stark genug, um der Wahrheit ins Auge zu sehen und mit ihr zu leben. Wenn deine Verbesserung der Welt darin besteht, daß du die Greueltaten des Lebens ins Verborgene verbannen willst, damit du dir als guter Mensch vorkommen kannst, so verachte ich dich. Der Starke sieht die Wahrheit und lernt mit ihr zu leben.« Qumara griff in den Streit der beiden Erits nicht ein, und auch die Kinder kümmerten sich nicht darum. Sie waren inzwischen auf einen Baum geklettert und hielten nach der geflohenen Gnumuherde Ausschau.
Seit ihrer Ankunft am Strand waren sie noch keinen Rutanern begegnet. Darüber wunderte sich Marc. Qumara hingegen veränderte sich immer mehr. Sie wurde noch stiller und in sich gekehrt. Ihr Gesicht aberwurde mitjedem Tag noch schöner und harmonischer. Ihre Augen leuchteten, und ihr Mund erblühte voll und rot.
Irgendwann sagte sie und ihre Stimme klang sehr glücklich: »Ich habe wieder Kontakt zu meinem Volk. Endlich bin ich nicht mehr allein.«
»Dein Volk?« fragte Marc. »Aber wir haben doch noch niemanden getroffen.«
»Du irrst dich. Die Rutaner wissen seit unserer Landung von unserer Anwesenheit. Wir haben inzwischen viele Erfahrungen ausgetauscht. Alle freuen sich, daß ich wieder da bin.«
Die Zauberin blieb auch weiterhin freundlich und hilfsbereit zu ihren Gefährten, doch sie wurde ihnen fremder. Marc war es, als würde sie ihnen entgleiten, und das machte ihn sehr traurig. Es war ein Gefühl, als verlöre er einen geliebten Menschen. Qumara war zwar noch anwesend, aber sie gehörte nicht mehr zu ihnen. Ihre eigene Welt hatte sie wieder.
Die Patrouille
Am nächsten Tag flüsterte Qumara aufgeregt: »Hier brennt etwas. Ich rieche Rauch! «
Bald darauf rochen es auch die anderen, und dann hörten sie sogar Flammen knistern.
»Der Wald leidet! ich spüre die Schmerzen der Pflanzen, und auch Tiere sterben«, erklärte die Hohepriesterin. »Wir müssen nachsehen!«
Vorsichtig schlichen sie durch die Büsche. Der Qualm nahm mehr und mehr zu, und bald tränten ihre Augen. Nun konnten sie auch den Schein von Flammen zwischen den Stämmen wahrnehmen. Endlich versperrten nur noch verkohlte Äste den Blick. Sie sahen auf eine Schneise mit verbranntem Boden, auf dem noch rauchende Holzstücke lagen. ihre nackten Füße schmerzten, als sie auf die heiße Asche traten.
Die Flammen hatten nicht auf den übrigen Wald übergegriffen, weil er lebendig und voller Saft war.
»Das sieht nach Vespucci aus«, stellte Qumara fest.
Qumara messen.
Die beiden Frauen redeten erregt miteinander und benutzten dabei die Sprache der Rutanen Endlich bemerkte die Zauberin die fragenden Blicke ihrer Weggefährten und wechselte zurück in die gemeinsame Sprache.
»Diese Verwüstung haben Vespuccipatrouillen angerichtet«, erklärte sie. »Sie streifen kreuz und quer durch unser Land, um alles unter Kontrolle zu halten. Da sie sich aber vor der Natur ekeln, brennen sie sich mit seltsamen Apparaten einen breiten Gang. ihnen ist es gleichgültig, ob Pflanzen und Tiere leiden. Sie tragen seltsame Kleider, deshalb stört sie die Hitze nicht. Die Vespucci sind rücksichtslos, aber wir können uns gegen sie nicht zur Wehr setzen, solange es unser König nicht gestattet.«
Energisch trat sie hinaus auf die Brandschneise, und die anderen folgten ihr. Sie achteten nicht auf den heißen Boden, sondern rannten gemeinsam in die Richtung, in die die Vespucci gezogen waren. Dabei rief die Zauberin seltsame Worte. Je näher sie der Patrouille kamen, desto aufgeregter wurde der Wald. Die Wipfel der Bäume schwangen hin und her, die Blätter der Büsche rauschten, und nun wurden auch Tiere sichtbar, die von überall zusammenströmten. Raubtiere und Weidetiere erschienen vereint. Es gab nur noch einen gemeinsamen Feind, und das waren die Vespucci.
Als sie die Glatzköpfe eingeholt hatten, sahen sie auch die Flammenwand. Es waren fünf Gnome und drei Sklaven. Letztere liefen mit seltsamen Rohren voraus und zündeten den Wald an. Alle waren in glänzende Kleider gehüllt und stapften durch die heiße Asche wie durch grünes Gras, dabei beobachteten sie aufmerksam den Wald nach verdächtigen Vorgängen.
Marc und Akandra waren in ihren Herzen schon so sehr zu Rutanern geworden, daß sie dieser Frevel erschauern ließ. Ein unbändiger Haß auf diese Eindringlinge erfüllte sie. Vorbei waren alle Meinungsverschiedenheiten. Sie wollten nur noch die rücksichtslosen Eindringlinge vertreiben, die den Frieden und die Harmonie dieses Landes störten.
Ohne Vorwarnung stürzten sich plötzlich die Tiere auf die Feinde, um sie zu zerfleischen. Doch die Vespucci hatten den Lärm noch rechtzeitig gehört und sich umgedreht. Sogleich richteten sie ihre Querks, diese teuflischen Zauberwaffen auf die Angreifer und mähten sie nieder. Erschrocken wichen die Tiere zurück. Nun griffen die Pflanzen ein. Bäume ließen schwere Äste heruntersausen, ein Glatzkopf wurde getroffen, die anderen konnten ausweichen. Der Kampf entwickelte sich zu Gunsten der Vespucci. Entsetzt erkannte Qumara die drohende Niederlage und rief verzweifelt noch einmal den Wald um Hilfe.
Zunächst geschah nichts Auffälliges, denn den Gegner, der heranmarschierte, konnten die Vespucci nicht sehen. Die Erits aber erblickten plötzlich ein Heer von Wanderameisen, das über den verbrannten Boden strömte. Viele Insekten verendeten in der Hitze, aber die anderen kletterten über die toten Artgenossen. Bald war die Erde von einem schwarzen Teppich bedeckt, der sich zu den Fügen der Gnome vorschob und an den Gestalten emporkletterte. Die scharfen Scheren der Ameisenkiefer schnitten sich durch das glänzende Material der Vespuccikleidung und gruben sich in das Fleisch. Wie wahnsinnig sprangen die Glatzköpfe herum und versuchten die Angreifer abzustreiten. Doch alle Gegenwehr war vergeblich. Die gemarterten Gnome schrien, und zwei ihrer Sklaven rannten in blinder Flucht den Weg der Verwüstung zurück, wo sie als Beute der zornigen Raubtiere endeten. Schon waren zwei Vespucci zusammengebrochen und lagen zuckend in der Asche. Endlich starb der letzte, und alle Feinde waren besiegt.
Qumara rief nun Worte, die von den Erits zwar nicht verstanden wurden, deren Macht und Intensität sie aber spürten. Eine Welle des Stolzes und des Glücks brach über alle Lebewesen herein, und es hätte nicht viel gefehlt, daß sich Raub- und Beutetiere gegenseitig in Freundschaft beleckt hätten. Auch die Erits hatten sich noch nie so geborgen und angenommen gefühlt.
Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Bald wurden sich die Gnumus bewußt, daß neben ihnen Lerus standen und machten sich vorsichtshalber davon. Nach und nach zogen sich die Geschöpfe aus der großen Gemeinschaft wieder zurück und kümmerten sich um ihre eigenen Interessen. Auch der schwarze Ameisenteppich verschwand und hinterließ lediglich die Skelette der Vespucci. Dann war alles wie zuvor. Die letzten Flammen erloschen, die Asche auf dem Boden rauchte noch, und Qumara war mit ihren Begleitern wieder allein.
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